Das Internet, das Melkschwein
Seit einiger Zeit wird das Land von Rechtsanwälten heimgesucht, welche das Internet für sich als DAS Melkschwein entdeckt haben! So viel Potenzial zum Rechtsbeugen hat es schon lange nicht mehr gegeben.
Die Zahl der Menschen, welche im Internet Ihren Unmut über Politik, Gewerbe und andere Geschichten kundtun, steigt stetig an.
Anstatt jetzt mal zu überlegen, WARUM das Internet zunehmend als großer Kummerkasten genutzt wird, gehen Rechtsanwälte eines jeden, fremden Fachgebiets mit aller “Härte” dagegen vor und verschicken Abmahnungen, wie andere Unternehmer Spam verschicken.
Die Unternehmer dieser Nation haben erkannt, dass das Internet auch für sie eine schier unerschöpfliche Plattform zur Bewerbung Ihres Unternehmens darstellt – umso mehr schmerzt es sie, wenn unter gewissen Suchbegriffen auf einmal Kritik zu ihrem Unternehmen auftaucht.
Auch hier scheiden sich nun die Geister, denn anstatt den offensichtlichen Mangel (im/am Unternehmen) abzustellen und diese Kritik positiv zu verarbeiten, greifen diese vermehrt auf Rechtsanwälte zurück, um Spam a la “strafbewährte Unterlassungsklage” und Abmahnungen zu verschicken, in welchen Streitwerte angegeben sind, die jenseits der Realität anzusiedeln sind.
Viele Blogger, Forenbetreiber und private Webseitenbetreiber bekommen es beim Anblick eines solchen Schreibens mit der Angst (die Gerichte gehen viel zu oft auf einen solchen Schwachsinn ein und lassen Klagen zu) und ziehen den Schwanz ein, und genau da liegt das Problem!
Wirklich alles ist in unserer Gesellschaft durch teilweise idiotische Formulierungen geschützt, so auch das Unternehmertum, aber WER schützt Menschen mit negativen Erfahrungen mit solchen Unternehmern vor eben solchen? WAS unternimmt der Gesetzgeber, um die Meinungsfreiheit und das Recht auf Kritik zu wahren? WER bremst unsere übereifrigen und teilweise fehlmotivierten Unternehmer und Rechtsanwälte auf ein erträgliches Maß Arroganz herunter? NIEMAND!
Es wird höchste Zeit, dass die Rechtssprechung in diesem Lande mal an die Folgen denkt, denn ständige Zensur über TATSÄCHLICHE Erfahrungen zugunsten des Unternehmertums schadet auf langer Sicht nicht nur dem Unternehmen, sondern der Allgemeinheit!
Im Zeitalter des Internets (viele RA´s reden immernoch vom “neuen Medium”) ist es schier steinzeitlich, Kritik mit der Keule zu zerschlagen, denn Kritik ist das beste Feedback eines Unternehmens, um sich wettbewerbsfähig zu halten, denn nur durch Kritik werden offensichtliche Fehler des Unternehmens erkannt.
Mag sein, dass ich zu blauäugig an diese Sache herangehe und an falscher Stelle an die Vernunft unseres Rechtssystems glaube, aber Fakt ist, dass die momentane Verfahrensweise weniger als zuvor mit Recht bekommen zu tun hat – vielmehr wird aus den ursprünglich eigenen Fehlern eines Unternehmens auch noch durch Inanspruchnahme von zweifelhaften Rechtsanwälten alles daran gesetzt, diesen Kritiker mundtot zu bekommen und sich obendrein auch noch weit über Gebühr an diesem zu bereichern.
Was mich jedoch enorm verwundert ist die Tatsache, dass der Deutsche in letzter Zeit wieder zum Kampf bereit ist, und sei es nur verbal im Internet, und sich nicht vom Unternehmertum vorschreiben lässt, was richtig und was falsch ist – das weckt Hoffnung darauf, dass auch unsere Gerichte erkennen, dass Unternehmertum in diesem Lande nicht alles ist!
Unterm Strich bin ich gespannt, wie sich die Rechtsprechung weiterentwickelt, denn in letzter Zeit fallen mehr und mehr Urteile GEGEN solche Unternehmer, zugunsten des Bloggers, also zugunsten unserem Recht auf freie Meinung…..