Berufskraftfahrer würden Piratenpartei wählen
In den letzten Monaten erst wird so einigen Bürgern, Vereinigungen, Parteien und sonstigen “Freiheitskämpfern” bewusst, auf welchem Weg sich unsere Regierung, derzeit gestellt durch CDU und SPD, befindet.
Eine Aushöhlung der Privatsphäre, immer mehr Überwachungsinstrumente wie den Personalausweis mit Fingerabdrücken, Kamerasysteme auf öffentlichen Plätzen, Vorratsdatenspeicherung etc pp.
Aber: Warum erst jetzt?
Es gibt in diesem Lande eine Berufsgruppe, welche bereits seit Jahren staatlich terrorisiert, kontrolliert und rund um die Uhr überwacht wird – Berufskraftfahrer (auch gern LKW-Fahrer genannt).
Surprise verehrte Damen und Herren!
Stichwort Fahrerkarte.
Dieses Meisterstück der lückenlosen Vollüberwachung zeichnet nicht nur sämtliche Tätigkeiten wie Arbeitszeiten, Geschwindigkeiten und Pausenzeiten lückenlos auf, sondern speichert Verstöße auch noch in unbegrenztem Zeitraum auf!
Soll heissen: Sämtliche Verstöße, welche der Fahrer seit dem letzten offiziellen Auslesen eines Staatsbellos (Polizist und/oder BAG-Kontrolleur) sammelt, können selbst 2 Jahre (oder noch länger) NACH Begehung dokumentiert, belegt UND GEAHNDET werden, wenn Vorsatz unterstellt wird – natürlich alles im Sinne der sogenannten Sicherheit!
PKW-Fahrer würden bis vor den europäischen Gerichtshof ziehen, sähen sie sich einer solchen Willkür ausgesetzt!
Bevor es hier gleich Experten gibt, die selbstverständlich anderer Meinung sind: Jeder, der einem auskunftsfreudigen BAG-Beamten schonmal auf den Laptop schauen durfte, kann das bestätigen.
Dann gibt es noch so nette Systeme, welche die Firmen unter dem Namen “Telematik, Fleetboards oder Flottenmanagment” verkaufen.
Diese Systeme verstoßen gegen so ziemlich jedes Recht im Arbeitsrecht!
Vorgegaukelt wird meistens, dass mittels dieser GPS UND GPRS/GMS-Überwachungstechnik lediglich eine Sendungsverfolgung stattfinden soll – tatsächlich kann aber ein jeder, der in einer Firma Zugang zu diesem System hat (also Disponenten, Personalmanager, Inhaber etc.) wesentlich mehr beobachten.
So kann man sich, hübsch grafisch ausgewertet und mit anderen Kollegen direkt vergleichbar, Statistiken anzeigen lassen, wann und wie (selbstverständlich auch wo) “unwirtschaftlich” gefahren wird und sich z.B. die Gaspedalstellung anzeigen lassen.
Klingt ja erstmal ganz toll, aber diese Vergleiche unter den Fahrern sind alles andere als representativ, denn erstens ist nicht jeder LKW 100% identisch in Technik und Ausstattung, Motorisierung, Abnutzung, Wartung und Laufzeit, und zweitens ist jeder LKW NIE gleich schwer! Auch sind die Verkehrsbedingungen nie die gleichen.
So muss der eine z.B. hinter einem hoffnungslos untermotorisierten Tschechen an einer 8%-Steigung hintereiern, während ein anderer Kollege nichts vor sich hat und mit Schwung die gleiche Steigung nehmen kann.
Aber dessen noch nicht genug.
Die heutigen LKW´s sind alle mit dem sogenannten “OBD-2″ ausgestattet, d.h. sämtliche Einrichtungen des LKW´s werden zentral über ein Steuergerät bedient.
Mal von den ganzen auftretenden Problemen abgesehen, ist da noch ein ganz großer Haken, nämlich die Verknüpfung des OBD-2 mit dem Telematiksystem!
Somit kann nämlich nicht nur nachvollzogen werden, wann ich als Fahrer wo bin, sondern jede Aktivität mit Datum, Uhrzeit und Standort mitschneiden.
Fenster auf, Fenster zu, Tür auf, Tür zu, Licht an, Licht, Zündung an, Zündung aus, Klima an, Klima aus – ALLES wird überwacht und protokolliert! Die heutigen Telefonsysteme im LKW laufen ebenfalls zu 100% über dieses OBD-2, genauso wie die elektronische Erfassung von Lenk- und Ruhezeiten, Pausenzeiten und EINSTELLUNGEN des Aufzeichnungsgerätes.
Um auch hier den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Zu Zeiten von Daten-Flatrates spielt es keine Rolle mehr, wie oft irgendwelche Daten vom LKW zur Zentrale geschickt werden!
Auch habe ich selbst bei einem der letzten Arbeitgeber (eine Iserlohner Spedition mit roten LKW´s) das RIESEN-TFT-Display an der Wand hängen sehen, auf welchem JEDER LKW der eigenen Flotte in Echtzeit grafisch angezeigt wurde, mit aktuellen Werten wie Geschwindigkeit, Achslast der Maschine/des Trailers, aktuelle Fahrtzeit usw.
Hinzu zu dem obigen Umstand kommt, dass die Arbeitsbedingungen fast täglich immer beschissener werden.
Wenn man sich jetzt vor Augen hält, mit welcher Regelmäßigkeit deutsche Berufskraftfahrer durch den Staat kriminalisiert werden – natürlich immer im Sinne von mehr Sicherheit – die deutsche Medienlandschaft froh und munter ebenfalls auf die Berufskraftfahrer einbasht, und dann sieht, dass ein Fulltimeworker mit der in Deutschland höchsten nervlichen, rechtlichen und körperlichen Belastung gerade mal um die 1200 € netto verdient (Bruttolohn meist um die 1200€, der Rest mit merkwürdigen Zulagen – also IMMER sofort ALG2-Empfänger, wenn er arbeitslos wird), kann es einem einfach nur schlecht werden! Der deutschlandweite Trend ist weiter sinkend.
Nächster Punkt ist, dass man als deutscher Berufskraftfahrer ZWANGSWEISE ein Gesetzbrecher ist! Danke hierfür nochmals an die EU und an Deutschland!
Als Berufskraftfahrer unterliege ich zahlreichen Gesetzen, unter anderem auch der FahrPerVO welche besagt, dass ich in 2 aufeinander folgenden Wochen eine maximale Lenkzeit von 90 Stunden sammeln darf, in einer Woche jedoch max. 56 Stunden.
Das Arbeitszeitgesetz jedoch schreibt eine maximale, wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vor, in einer Doppelwoche also max. 96 Stunden.
Klingt ja erstmal ganz toll, aber mehr auch nicht.
In der Realität sieht es so aus, dass Berufskraftfahrer IMMER die max. mögliche Lenkzeit voll ausreitzen (müssen), nämlich die 56 Stunden, und in der zweiten Woche in jeder Firma die betrieblichen Belange über die gesetzlichen Regelungen gestellt werden und man erneut auf 56 Stunden gepusht wird, anstatt die übrigen 34 Stunden zu akzeptieren.
Arbeitnehmer, welche sich hier gegen betriebliche Interessen aussprechen, sind bisher in aller Regel sehr schnell und mit fadenscheinigen Argumenten arbeitslos.
Aber selbst wenn man eine von 10.000 Firmen erwischt hat, welche sich an die Lenkzeitverordnung hält, stößt man regelmäßig mit dem Arbeitszeitgesetz in Konflikt, denn zur Arbeitszeit gehört auch die tägliche Kontrolle des LKW (Abfahrtkontrolle, wenn gewissenhaft ausgeführt, nicht unter einer halben Stunde täglich machbar), die Wartung und Pflege, das Be- und Entladen, das Aufnehmen und Absetzen von Containern, das Auf- und Abbrücken von Wechselbrücken, DIE ZAHLREICHEN BAG- UND POLIZEIKONTROLLEN, das Rangieren, das An- und Abkoppeln von Anhängern/Aufliegern, die Routenplanung, der anfallende Papierkram (ist in den meisten Firmen echt nicht zu unterschätzen), der An- und Abreiseweg zum LKW (!!!), das Tanken, die Ladungssicherung und und und.
Man kommt täglich locker auf mindestens 4-6 Stunden zusätzlicher Arbeit, welche nicht der Lenkzeit zugeordnet werden, aber teilweise gesetzlich gefordert werden!
All das wird durch unseren tollen Staat überwacht, bei Verfehlungen bekommt IMMER der LKW-Fahrer das Fell über die Ohren gezogen mit der Begründung “SIE sind doch LKW-Fahrer! SIE hätten das doch wissen müssen!”
Klar, bei einigen Sachen erhält auch der Arbeitgeber eine Geldstrafe, aber mal ehrlich, das hat bis dato noch keinen Arbeitgeber davor abgeschreckt, seinen Angestellten etwas weniger zu scheuchen.
Klar hätte ich so einiges wissen müssen, aber es ist faktisch unmöglich, gegen die ganzen Gesetze NICHT zu verstoßen, da diese von schweinedummen Politikern und noch dümmeren Lobbyisten auf den Weg gebracht wurden, die von Tuten und Blasen wirklich NULL Ahnung und Kompetenz haben und sich diese Gesetze teilweise massiv widersprechen!
Noch eines zum Thema Sicherheit:
Vielerorts werden LKW-Überholverbote eingeführt, da “angeblich” bewiesen ist, dass dadurch weniger Unfälle passieren.
Das ist so blöde, das die Schweine singen!!! Dadurch wird dem LKW-Fahrer NOCH MEHR Aufmerksamkeit abverlangt – somit das Unfallrisiko also erhöht!
Ein LKW-Fahrer, der den ganzen Tag auf der Autobahn verbringt, ist auch den ganzen Tag damit beschäftigt, die Fehler seiner Verkehrsteilnehmer auszubügeln, rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren.
Ohne jetzt die PKW-Fahrer direkt angreifen zu wollen – die meisten Fehler werden durch eben solche begangen, und NICHT durch die LKW-Fahrer!
Sprich, er hat bereits massig Stress, welchen sich ein PKW-Fahrer nicht im Entferntesten vorstellen kann!
Wenn er jetzt zudem im LKW-Überholverbot ist und zusätzlich jetzt noch ständig damit beschäftigt ist, seinen Abstand und seine Geschwindigkeit an den Vordermann anzupassen, ist er nach relativ kurzer Zeit psychisch “fertig”!
Klar, ich kann es nachvollziehen, dass vielen ein überholender LKW ein Dorn im Auge ist, aber der macht das nicht, um andere Verkehrsteilnehmer zu ärgern, sondern vielmehr aus dem Grunde, dass es bedeutend weniger Stress darstellt, als stundenlang einem langsameren/schwächerem LKW hinterherzufahren!
Es hat ABSOLUT NICHTS damit zu tun, evtl. 15 Minuten früher am Zielort zu sein, wie es immer wieder durch dumme Politiker und ignorante Pressevertreter dargestellt wird!
Dieser LKW verbringt täglich bis zu 10 Stunden auf der Autobahn – könnt Ihr Euch überhaupt vorstellen, welche Belastung das ist? Nochmal. Genau wie der PKW-Fahrer hat auch der LKW-Fahrer das Recht, komfortabel und mit möglichst wenig Stress anzukommen – lasst es ihm bzw. gebt es ihm wieder zurück!
Abschließend sind das fast alles Punkte, mit welchen sich auch die Piratenpartei beschäftigt – somit
würden Berufskraftfahrer die Piraten wählen!
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