Tausend Gefühle
Auf der Suche nach meiner Ladestelle fand ich auch relativ schnell die besagte Hausnummer, wobei ich allerdings zugegeben muss, dass ich diese glatt übersehen hätte, wenn da nicht dieses große Schild am Zaun genagelt gewesen wäre, denn es ist eher untypisch, dass man mit einem kompletten Gliederzug ein reines Wohnhaus anfährt – dementsprechend hält man eher nach Objekten und Einfahrten Ausschau, welche auch durch einen LKW nutzbar sind.
Naja, das besagte Schild deutete darauf hin, dass sich wohl auf der Rückseite des Hauses noch etwas größeres befindet, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass LKW dort auch wenden können.
Wenn ich einen solchen Hinweis sehe, gehe ich davon aus, dass ich dort mit meinem Hängerzug tatsächlich die Möglichkeiten habe, wenden zu können – das war leider ein Satz mit X, denn in diesem Niemandsland waren damit Solofahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen gemeint, nicht aber LKW mit Anhänger und einem zul. GG von 40 Tonnen!
Die Zufahrt hatte ich auch fotografiert, aber leider hat die Cam da ein schneeweißes Bild draus gemacht, sodass ich die 300m lange und PKW-schmale Schotterpiste mit der 90°-Rechtskurve nicht mehr zeigen kann.
Von den Angestellten hat sich selbstverständlich niemand bereit erklärt, mir mal seine Augen zu leihen, sprich sich in meinem Blickfeld hinter den LKW zu stellen, um dort rückwärts herausfahren zu können. Da links und rechts von dieser Piste auch noch ein Graben war, durch welchen ich die Hinterachse des Anhängers bereits beim Reinfahren halb versenkt habe, gab ich nach dem dritten Versuch ein Rückwärtsherausdrücken auf, denn der Anhänger sollte nach Möglichkeit diese Aktion überleben.
Somit stand ein Wendemanöver an, wie es Actro mal gezeigt hat, nur mit dem Unterschied, dass ich auf links geknickt habe, um die Deichsel sehen zu können. Zuvor habe ich sämtliche Verbindungen zum Anhänger getrennt, damit ich mir diese nicht abklemme, und den Arsch des LKW komplett hochgepumpt, damit die Deichsel zur Not nicht in die Rückleuchte einschlägt, sondern darunter.
Nach 20 Minuten (mit Koffern drauf ist so ein Wenden doch was anderes als mit einem leeren Holzaufnahmegestell) war ich dann wieder auf der Straße, und konnte mir einen Parkplatz für den Anhänger suchen. Anschließend ging es dann wieder zurück auf den Hof, um zu laden.
Nach sage und schreibe 2 Stunden war die Brücke dann auch zur Hälfte beladen, als plötzlich ein Angestellter zu mir kam und meinte “den Rest müssen wir von der Straße aus beladen”.
Super! Vielbefahrene Bundesstraße, direkt am Ortseingang, kein Seitenstreifen – da weiß man schon am Anfang, dass sich die meisten PKW-Fahrer einen Herzkaspar einfangen, und überdeutlich zu verstehen geben, dass man als LKW-Fahrer doch bitte sterben gehen solle!
5 eindeutige Anzeichen, warum man in dieser Situation NICHT mit 70 km/h bis zum bitteren Ende drauf zu ballern sollte:
1. Ortseingangsschild
2. Warndreieck
3. blinkende Warnleuchte
4. Warnkegel mit auf der Straße
5. flatternde Signalweste am äußersten Punkt des LKW, Warnblinkanlage eingeschaltet, LKW steht halb auf der Straße
Aus Sicht der PKW-Fahrer sah das wohl so aus:
1. Geschwindigkeitsempfehlung, muss nicht befolgt werden.
2. rotes Dreieck, Spitze nach oben = unwichtig.
3. blinkendes Signallicht am Straßenrand = Baustelle! Was arbeiten die auch direkt am Straßenrand.
4. Unverschämtheit! Ob das Dingen wohl umkippt, wenn ich da mit 100 dran vorbeibrezele?
5. Jetzt schlägt’s 13! Zu doof zum Parken, und auch noch die freie Fahrt für freie Bürger behindern! Assipack! Den blöden LKW-Fahrern sollte man mal ordentlich die Fresse polieren. Ständig muss man wegen diesen Idioten bremsen. Und dann noch dieses merkwürdige rote Teil am Spiegel, das bringt mich ja jetzt total aus der Fassung.
Dass ich nur mit Blicken mindestens 100x getötet wurde, ist ja echt kein Wunder, aber dass dort innerhalb von 2 Stunden annähernd 10 Vollbremsungen stattgefunden haben und 5 PKW-Fahrer fast im LKW gestanden haben, gibt mir echt zu denken! Was bitteschön soll ich denn noch aufstellen, damit der gemeine Verkehrsteilnehmer kapiert, dass er doch bitteschön seine Geschwindigkeit vermindern soll und seine Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten soll, und NICHT auf das Handy, das Navi, das Radio, die tolle Landschaft, die Ladetätigkeit am Heck des LKW usw?
Ganz ehrlich, aber die PKW-Fahrer werden echt von Tag zu Tag dümmer! Demnächst muss ich wohl eine Straßensperrung beantragen, damit mein Arsch während der Beladung sicher ist! Unglaublich sowas.