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Ihr habt mich erwischt

Liebe PKW-Fahrer, ja, ich gebe es zu, Ihr habt mich erwischt, ich mache das alles nur, um Euch zu ärgern.

Ich fahre LKW, nur um Euch zu ärgern.
Ich rangiere mit Absicht so langsam, nur um Euch in Eurem Freiheitstrieb zu bremsen.
Ich überhole absichtlich mit nur 1 km/h, damit Ihr Eure Hupen, Nebel- und Fernlichter endlich mal ausprobieren könnt.
Ja, besser noch, ich EXISTIERE nur dafür, dass Ihr ein Feindbild in Euren Köpfen aufrechterhalten könnt, welches Ihr aus Presse, Politik und Automobilclubs vorgekaut bekommt.

Ach, Ihr boykottiert den Fachhandel bereits, und kauft deshalb nurnoch bei eBay und sonstigen Onlineshops ein? Prima, ich bin stolz auf Euch, denn DHL/Hermes/UPS/DPD/GLS und wie sie alle heissen, kommen natürlich mit Ihren Sprintern direkt vom Onlinehandel extra zu Euch!

Waren auf die Schienen? Ihr meint dieses übersubventionierte Relikt aus der analogen Zeit, als Pakete/Päckchen und sonstiges sperriges Gut noch locker 2 Wochen unterwegs waren, als es noch an jedem deutschen Bahnhof Lager gab, an denen Ihr Euer Zeugs selbst abholen konntet, weil die Heimzustellung sonst zu teuer geworden wäre?
Na dann nennt mir mal die Petition, in welcher eine Schienenanbindung eines jeden deutschen Einzelhändlers gefordert wird – ich bin der erste, der sie mitzeichnet, nur um Eure dummen Gesichter zu sehen, wenn Ihr nachts kein Auge mehr zukriegt, denn so ein Güterzug ist dann doch noch etwas lauter, als 100 LKW in Kolonnenfahrt!

Ihr nennt uns Mautflüchtlinge, wenn wir mal die Autobahn verlassen (müssen), denn ab und zu wohnt Ihr leider in irgendwelchen Kacknestern, welche nur über Schotterpisten aus Vorkriegszeiten zu erreichen sind, aber weil es dort so schön günstig ist, und die Kommune Euch so toll unterstützt, lasst Ihr Euch dort gewerblich nieder – hier wären Luftbrücken wie im kalten Krieg vermutlich sinnvoller – Luke auf, und raus mit dem Scheiss – denn auch wir LKW-Fahrer können uns besseres vorstellen, als uns den Bock vollzustauben, und uns auf einem 5000qm großen Grundstück rückwärts über rechts durch eine 2,70m breite Toreinfahrt quetschen zu müssen!
Ein Bau direkt neben der Autobahn hätte vermutlich einige Probleme von Anfang an beseitigt, aber wir Deutschen neigen ja bekanntlich zu hirnrissigen Aktionen, und somit müssen wir wohl alle damit leben.

Aber wo wir gerade bei Mautflüchtlingen sind, und es dem Staat nicht schnell genug gehen kann, endlich auch auf 4spurigen Kraftfahrstraßen Maut zu kassieren – die wahren Mautflüchtlinge sind die FIRMEN (und NICHT die Fahrer), welche mit purer Absicht LKW einsetzen, die weniger als 12Tonnen zulässige Gesamtmasse haben, also überwiegend nur auf 11,99Tonnern , 7,5Tonnern (mit Anhänger), Planen-/Pritschentransportern und Sprintern setzen.
In den letzten Jahren hat sich das Bild auf deutschen Autobahnen extrem gewandelt – klar fahren noch “echte” LKW auf diesen, aber die Masse sind mittlerweile alle zuvor aufgezählten Varianen, also die, die (noch) von der Mautpflicht befreit sind.
Und um Vorurteilen gleich entgegenzuwirken, es sind überwiegend die osteuropäischen Länder, die mit solchen Geschossen die Autobahnen unsicher machen, und vor der extrem überteuerten Maut flüchten!

Um mal ein Beispiel zu nennen, wieviel ein 40Tonner so an Maut ausmacht: ich bin mit meinem Euro5-LKW in 5 Monaten bisher ca 45TKm gefahren (also noch recht wenig), und bis jetzt sind bereits über 5.500,- € an Maut entrichtet worden – bei den Löhnen in den osteuropäischen Ländern, den dortigen Betriebs- und Treibstoffkosten rechnet es sich, anstelle von einem 40Tonner zwei oder drei 12Tonner loszuschicken – hier müsste der Staat mal ansetzen, und nicht immer bei den ganz großen, denn die ächzen schon seit Jahren unter der enormen finanziellen Belastung.

So, genug über die deutsche Verblendung und Dummheit gekotzt – in 20 Stunden muss ich Euch ja schließlich schon wieder auf den Sack gehen, Euch behindern, Euch nötigen, Euch das Leben schwer machen … :razz:

5 Kommentare zu „Ihr habt mich erwischt“

  • topas:

    Es regt sich keiner über den LKW-Fahrer im allgemeinen auf. Nur kann man von Berufskraftfahrern etwas mehr Mitdenken erwarten. Und bei einigen Kollegen von dir/Ihnen fehlt dies halt.
    Da muss (obwohl das Überholverbot noch nicht aufgehoben wurde, also weiter gilt) vor der Baustelle in die mittlere Spur gezogen werden und kurz vor Baustellenanfang dann die Spur dicht zu machen, da man auf eine Lücke in der rechten Spur wartet (die als einzige breit genug ist). Da muss mit 2km/h Unterschied an einer 80m-Lücke vorbei gezogen werden, da erst 50 PKW hinter dem LKW hängen. Kommt beim Elefantenrennen bei einer Auffahrt ein weiterer Lastzug hinzu muss wird eine Spur nach links gezogen und alle 3 Fahrspuren dicht gemacht werden. Wenn ein Lastzug sich am anderen vorbei quält muss auch der Überholte weiter voll durchziehen, anstatt für wenige Sekunden auf wenige km/h zu verzichten (die PKW hinter dem Überholenden dürfen auch im Schnitt auf 40km/h der Normalgeschwindigkeit verzichten – und nein, wollen das auch nicht durch extra Schnellfahren danach wieder aufholen).
    Und bei der LKW-Dichte auf deutschen Autobahnen genügt es wenn 1 Prozent der Fahrer Idioten sind. Es ist halt wie immer: Die vielen Normalen merkt man sich nicht, nur die (positiv oder negativ) Auffallenden bleiben im Gedächtnis.

    • truckstop24.net:

      @topas: Glaube mir, wir Berufskraftfahrer denken mehr mit, als sich das ein anderer Verkehrsteilnehmer überhaupt vorstellen kann, denn wenn wir das nicht täten, sähe es für viele verdammt schlecht aus. ;) Aber nein, auf diesen Punkt will ich jetzt garnicht hinaus, sondern die 80m-Lücke.

      Logischerweise zieht man an dieser vorbei, denn LKW müssen mindestens 50m Abstand halten, nach vorn, und auch nach hinten. Meiner ist 18,5 Meter lang, also mein LKW (*g*), plus 2x 50m, macht eine Mindestlücke von 118,50 Meter, in welcher in reinziehen kann und darf (3x absolut identische Geschwindigkeiten vorausgesetzt).

      Aber selbst wenn die Lücke großgenug wäre, und ich sehe, dass ich in spätestens in 10 Sekunden wieder zum Überholen rausziehen muss, werde ich dse Lücke nicht nutzen, denn LKW mit Blinker an ist in DE eine Kampfansage an jeden PKW-Fahrer, da macht niemand Luft und zieht auf die linke Spur – im Gegenteil, da wird mit brutalster Absicht alles gegeben, nur damit der LKW schön recht bleibt – es sind nicht nur die LKW, die sich teilweise egoistisch verhalten! ;)

      Was das Geschwindigkeitverringern betrifft, so ist das tatsächlich bei vielen “truckerfreunden” noch nicht angekommen, dass man so sich und dem Rest der Welt das Leben erleichtern könnte – ich mache das regelmäßig und mit vollster Überzeugung, dass ich den Tempomat kurz herausnehme und mich um 5 km/h verlangsame. ;)

      Die Verkehrsdichte ist in der Tat in den letzten 20 Jahren enorm angestiegen, und leider haben sich weder PKW-, noch LKW-Fahrer an diese angepasst. DIe Denke ist bei vielen bereits familiär vorgeprägt, und auch die deutsche Verkehrserziehung ist diesbezüglich leider viel zu nachsichtig – da gebe ich DIr vollkommen Recht.
      Aber solange ich in diesem Beruf tätig bin, verweigere ich mich, alle Schuld dieser Welt auf mich zu nehmen, wie es Presse, Politik und dumme Menschen jeden Tag aufs neue versuchen!

      Der Beruf des BKF ist alles andere als ein Traumjob, und auch die Arbeiten in diesem alles andere als leicht, und wenn mir so ein sogenannter “Vielfahrer” erzählen will, er sei der wahre Meister, und im nächsten Atemzug bringt er mich mit Ansichten aus der Steinzeit zum Lachen, dann sollte er damit rechnen, dass ich ihn nicht mehr als eigenständig denkfähiges Individuum bertrachte, sondern nur noch als dummes und unterbemitteltes Fußvolk. ;)

      • topas:

        Menno, jetzt klaut er mir sogar das Wortspiel mit den 18,5(Centi-)Meter :(

        wegen der 80-Meter-Lücke: Die gesetzliche Situation war mir auch klar – nur manchmal machen die LKW (aus Rücksicht, damit sie die Spur wieder frei machen) aus Metern auch Dezimeter. Wenn der Fahrer in der Situation so penibel auf die STVO geachtet hätte dürfte er gar nicht erst ausscheren. An einem Donnerstagnachmittag auf der A44 auf einer Strecke von knapp 8 Kilometern die linke Spur wegen seines Übeholvorgangs dicht zu machen ist dann nämlich auch definitiv nicht mehr zügig ;)

        Und das Nicht-wieder-reinlassen ist dann halt auch ein Teufelskreis. Wenn der PKW-Fahrer zu wissen glaubt dass der LKW definitiv nicht zügig überholen wird und man gefühlt drei Ewigkeiten hinter der Kiste hängt, weil beide ihre Kisten auf Max treten und beide fast identisch abgeriegelt werden (gesetzbuchfremde Modifikationen mal außen vor gelassen *g*) wird man auch noch versuchen schnell vorbei zu kommen, trotz des Blinkers (der ja nur ne Absichtserklärung ist). Der BKF wird dann beim nächsten mal zeitiger rausziehen und länger links bleiben, der PKW-Fahrer beim nächsten mal (gefrustet durch den LKW, der links “parkt”) ebenjenen schneiden, der LKW dann dem PKW, der in der 60er-Baustelle auch nur gut 60 fährt fast in den Kofferraum krauchen … wie gesagt, ein Teufelskreis :)

        Bei mir bekommt auch (fast) jeder LKW seine Chance zum Überholen. Meist sieht man ja die Geschwindigkeiten der beiden LKW – ich sehe auch schon vor dem Blinken oder Lenken wann der hintere LKW ansetzen wird und kann mich drauf einstellen.
        Mal ne Beispielrechung: Wenn man mal die realistischere Situation in Betracht zieht, dass der Überholvorgang mit 10m Abstand begonnen wird und ebenso wieder eingeschert wird sind es bei 5km/h gerade mal 45 Sekunden um die 60m zu meistern (2*20m LKW, 2*10m Abstand), also mit Aus- und Einscheren rund eine Minute. Der PKW, der von 125 auf 85 abgebremst wird “verliert” in der Minute gut 650m. Macht bei den sonst gefahrenen 125km/h (130km/h Richtgeschwindigkeit abzüglich Tachoabweichung) einen Zeitverlust von wahnsinnigen 15 Sekunden (die man später am Ziel ist) – also definitiv kein Wert wegen dem man sich aufregen muss, wenn es mal vorkommt. Und selbst wenn der überholte LKW die 5km/h komplett “opfert”, also wie du langsamer wird “büßt” er in der Minute keine 100m ein, ist also irrsinnige 4 Sekunden später am Ziel. (Disclaimer: Ja, die Zeit für das Wiederbeschleunigen sowohl des PKW (geht schnell) als des LKW (dauert etwas länger) ist hier nicht berücksichtigt).
        Und ich als “dezenter Vielfahrer” (60.000km im Jahr, die Hälfte davon auf der A2) rege mich mindestens genauso über die PKW auf. Die LKW fahren ja schon am max, können nicht anders (durch die Zugmaschine bedingt). Aber der Berliner, der zu bl#d ist die rechte Spur zu nutzen, Rückspiegel als Teufelszeug meiden … ok, anderes Thema (dem du als Brandenburger sicher zustimmen wirst – Berliner und Autofahren passt nicht zusammen) :)

        • truckstop24.net:

          Glaube es mir, oder glaube es mir nicht, aber Freitage und Samstage sind die schlimmsten Tage, denn da will alles und jeder schnellstmöglich nach Hause, egal ob 2,3,4,5, oder mehr Achsen, egal ob PKW, Transporter, oder LKW – an diesen Tagen kämpft wirklich jeder um Zentimeter, und da steckt niemand mehr zurück, egal wie rücksichtsvoll er den Rest der Woche fährt. Das sind dann die Fahrten, bei welchen mir mehr als nur einmal das Herz kurzzeitig sonstwo hinrutscht, denn da versuchen so einige, physikalische Gesetze auszuhebeln. :D

          Berliner/Brandenburger und Autobahn??? Oh Mann, hör bloss auf! Wenn ich schon ein “B” sehe, steht der Fuß schon fast reflexartig über dem Bremspedal!

          Warum die Berliner alle Mittelspur fahren? Na, die kennen doch nur die Sprintrennen von Ampel zu Ampel, und in Berlin ist die rechte Spur gleich Parkspur.
          Klaue einem Berliner die Ampeln und hebe das Geschwindigkeitslimit auf, und Du erlebst die hirnrissigsten Fahrmanöver!!! :razz:
          Jo, die Buletten sind schon ein witziges Völkchen – Abstand ist für Weicheier, Blinker ist Luxus, und die rechte Spur ist quasi nicht existent. Du musst diese Topelite der Kreisfahrer mal rund um Berlin erleben – da kriegste Hörner an Stellen, wo DU nie geglaubt hast, dass da überhaupt was wachsen kann! :D

          • topas:

            Stimmt, als Wochenendheimfahrer kann das mit dem Freitag gut nachvollziehen. Mich verschlägt es auch jedes Wochenende in die Heimat, ganz in die Nähe, nach Hütte – also A2 plus A10 = A12 :) . Und auf den Freitagnachmittag habe ich auch nie Bedenken, dass die Fahrt ermüdend wird. OK, die Strecke zwischen Burg und dem Ring ist manchmal etwas leer, aber ansonsten ist man immer hellwach dabei, dank der anderen Verkehrsteilnehmer :)
            Sonntagabend hingegen hingegen erlebt man die Ruhe pur. Spurwechsel werden als unnötiger Stress empfunden (ja, irgendwann kommt mal wieder ein LKW, den ich mit meinen 100km/h überholen werde – wieso deshalb jetzt nach rechts fahren), auch Fahrspuren sind nur grobe Empfehlungen – wieso so ernsthaft dran orientieren …?

            Und seitdem mir ein Berliner einmal auf der leeren Stadtautobahn (ja, gibt es, wirklich leer, auf dem nächsten Kilometer vor uns kein Auto zu sehen) bei gut 80km/h von der rechten auf die Mittelspur ohne zu Blinken vor mein Auto eingeschert ist weiß ich dass alles unter einem Meter Sicherheitsabstand etwas knapp aussieht (oder sagen wir mal so: es gibt Autofahrer, die beim Halt an einer roten Ampel mehr Abstand zum Vordermann halten). Gut, als Brandenburger kennt man die Berliner (irgendwie ahnte man ja dieses Manöver) – meine Mitfahrerin hingegen anscheinend nicht (zumindest nach Tonhöhe und Lautstärke ihres Aufschreis zu urteilen) :) Aber auch ich halte seitdem respektvollen Abstand von allem was ein “B-” im Nummernschild hat …

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