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Einmal Belgien und zurück

Heute stand mal wieder Belgien auf dem Plan, beladen war ich mit überdimensional geschnitten Spanplatten (wie ich sie hier im Blog schonmal gleich als erstes gezeigt hatte).

Ansich eine schöne Ladung. Schnell verladen, gut zu sichern, fährt sich gut.
Nach dem Entladen stand dann eine neue Ladestelle fest, die ca. 25km entfernt war. Sollte also eigentlich alles problemlos funktionieren – Lenkzeit hatte ich ja auch noch knapp 3h übrig – alles easy, so dachte ich zumindest.

In Genk angekommen, war die Zufahrtstrasse plötzlich gesperrt. Ein quietschorangrotes Schild teilte mir (vermutlich) mit, dass ich die Umleitung fahren sollte. Super, welche Umleitung? Ich sah keine Umleitungsschilder, und auch andere Kollegen, die diese Straße zum Industriegebiet nehmen wollten, kurbelten wie wild auf der Kreuzung umher.

Ich entschied mich für die Variante “Erstmal weiterfahren, und dann immer rechts halten” – war eine scheiss Entscheidung, denn plötzlich stand ich mit meinem LKW im Zentrum von Genk, selbstverständlich für LKW gesperrt. Die “Polite” war auch garnicht so erbost wie ich zuerst geahnt hatte, als sie mich hilflos rückwärts in eine Gasse kurbeln sah, und auch gleich anhielt.

Im gebrochenen aber verständlichen deutsch wurde ich gefragt, wo ich denn hin will – ich zeigte ihm die Adresse auf meinem Notizzettel, er fing an zu grinsen. “Kein Problem. Schaffst Du das Wenden alleine?” wurde ich gefragt, und ich bestätigte.
“Dann ich warte bis Du fertig bist, und dann Du fahrst mir hinterher, O.K.?” Ich bestätigte abermals.

Das war die zweite Fehlentscheidung am heutigen Tage! Erst fahren die einem stundenlang (gefühlt zumindest) auf diesen komischen N- und R-Strassen hinterher und überprüfen die gefahrene Geschwindigkeit, aber dann hacken die plötzlich wie die kaputten vorneweg. :lol:
Naja, man lässt sich ja nicht lumpen: Hackengas und hinterher. Immer schön mit 90 hinter den belgischen Fraggles her, und plötzlich RUMMS, ein belgisches Polizeiauto weniger im Verkehr. Naja, zumindest für diesen Tag, denn ohne Auspuff ist so ein Peugeot ganz schön laut – den alten haben die gleich liegengelassen, nachdem ich mit jedem Reifen von mir da drüber gewalzt bin. :mrgreen:

Danach war der Fraggle dann irgendwie garnicht mehr so gut drauf, machte noch eine merkwürdige Geste zu mir, stieg ein, und weg war er. :???:

Spitze, jetzt so garnicht mehr wissend, wo ich überhaupt bin, fuhr ich erstmal auf den Standstreifen, um abermals Navi und PC-Karte zu ergründen.
Ich suchte mir eine Strecke heraus, und versuchte, diese ins Navi einzuhämmern. Das Ergebnis war, dass sich das Navi verabschiedete. :???:
“Hast ja noch das alte Navi bei” dachte ich so, und kramte es gleich eifrig heraus, um dann festzustellen, dass in diesem einige Straßen fehlten.

Jetzt endlich vollends genervt, wählte ich die gleiche Methode wie zuvor, nur eben nicht immer rechts halten, sondern eine danach links, und dann wieder rechts, und dann wieder links.
Nach 1 Stunde erreichte ich dann endlich mein Ziel.

Hier war man weder der deutschen, noch der englischen Sprache mächtig, und ich versuchte mich mit Händen und Füßen zu erklären, schreib einige Daten und Adressen auf und zeigte ihm den Zettel – “nix! Referency!!!” schmetterte er mir zurück, und lies mich doof in der Gegend stehen. Also wieder zurück zum LKW, und erstmal über Telefon meinen Frust in der Dispo abgeladen.

10 Minuten später dann der Rückruf, dass es keine Ladenummer gibt, nur die Info, dass ich im Auftrag von Meier Müller Schulze Leergut laden soll, was dann nach Meier Müller Lehmann nach Musterstadt geht. Und achja, ich sei mit meinem LKW-Kennzeichen dort angemeldet worden.

Also wieder rein, alles auf den Zettel geschrieben, und ihm kommentarlos in die Hand gedrückt. “CMR?” fragte er mich.
“Ich nix bringen! Ich holen, ich laden! Du nix kriegen von mir, sondern ich von Dir!” haute ich ihm genervt um die Ohren.
“Ich nicht doof, brauche CMR von Dir” brachte er urplötzlich nahezu verständlich heraus. Und trotzdem fühlte ich mich jetzt gerade etwas verarscht. Warum braucht er einen CMR von mir, wenn ich bei ihm lade??? Ich sagte “nee, CMR kriege ich von Dir für Ladung!”

Nun wurde er sichtlich gereizt. “Hast Du leeren CMR in Auto? Ja? Geh holen!”
Aaaaahhhhh, einen LEEREN CMR will er haben. :lol:   Belgien scheint ein echt sehr armes Land zu sein. :mrgreen:

Ich holte EINE Blanko-Kopie eines CMR aus dem Auto, und ging wieder zurück. “Nur eine? Brauche 4!”
Ich: “Meister, ist doch ganz einfach! Einen Ausfüllen, dann 3x kopieren – fertig!”

Er stampfte irgendwas brabbelnd los, kopierte den unausgefüllten CMR 3x, kam wieder zurück, und füllte dann Seite für Seite händisch die 4 Blätter aus. Warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht, aber gut, was geht mich fremdes Elend an. :mrgreen:

Er schickte mich dann irgendwo hin, faselte irgdwas von einem roten Container und Parkplatz, nix reinfahren, und ich hörte schon garnicht mehr zu – ich dachte mir so, ein roter Container dürfte markant genug sein.

Ist er ja auch, wenn denn nur einer davon rumstehen würde – ich fand aber gleich 4 oder 5, alle auf verschiedenen Parkplätzen – also stampfte ich in jedes Tor und fragte nach, ob ich hier beladen werde – alles war besser, als nochmal zu dem Knallhirsch zurückzufahren. :roll:

Als ich dann endlich auf dem richtigen Parkplatz stand, wies mich ein Jungspund ein, wie ich zu stehen habe – ich fragte extra nochmal nach “von rechts beladen – loading at the right side?” Er nickte zustimmend, also fing ich an, die rechte Seite aufzumachen. Also die bepisste Zollschnur raus, und zwar Schloss für Schloss (Smörebröd hat es irgendwie nicht drauf, die Spitzen vernünftig anzubringen), die Schlösser auf, vorne und hinten die Plane aushängen, nach hinten aufziehen, und als ich bereits die Hälfte der Latten draussen hatte, kam ein Staplerfahrer brüllend angerast “STOP! NIX RECHTE – LINKE! ZU UND DREHEN!”

Ganz ehrlich, jetzt war der Punkt gekommen, an welchem ich am liebsten mit diesen Latten um mich geschlagen hätte!
Er schien das wohl irgendwie in meinem Gesichtsausdruck und der Art und Weise, WIE ich die Latten auf die Ladefläche schmiss, zu erahnen, und kam an mit “Entschuldigung, das hat er wohl nicht verstanden”.

Nun gut, Menschen die sich entschuldigen können, haben eine zweite Chance verdient. :cool:

Ich drehte den Bock um und machte die andere Seite auf – die Beladung fing an.
Noch bevor ich mit den ersten Gurten oben war, schmiss er mir auch schon die zweite, dritte und vierte Reihe drauf – ich war begeistert!

Auf jeder Seite maximal 20cm Luft, und die Plane natürlich auf der rechten Seite schon zu. :evil:

Fragt mich nicht, für was diese Gestelle gut sind, welche Funtion sie haben, oder oder oder.
Sie haben auf jeden Fall etwas mit Autos zu tun – auf einem Stand Ford, auf anderen Jaguar. ;)
Die Dinger sind extrem schwer und voll Grütze zu sichern!

Auf den Gestellen mit den massiven Stangen oben drauf kann kein Gurt gezogen werden – also jeden Gurt einzeln da durchfriemeln – war das ein Spass! :???:

Auf meine Frage, WIE ich die mittleren Gestelle sichern solle, antwortete er “garnicht. Die Stangen sind massiv, und sooooo schwer, die fallen schon nicht herunter!” – das war genau das, was ich NICHT hören wollte, denn diese Stangen stecken lediglich in je einem Loch!

Gewichtsstechnisch dürften das mindestens 30 Tonnen Ladung sein, denn so träge hat der Pisspott selbst bei maximaler Zuladung (24,5 Tonnen) nicht beschleunigt wie jetzt.

Ich habe über 90 Minuten nur für die Sicherung gebraucht, und möchte wetten, dass die BAG richtig hibbelig wird, wenn sie das vor Augen hätte! :???:

Da ich aber im Gegensatz zu der BAG weder Mathematiker, Theoretiker oder vollausgestatteter IT-Fachmann bin, verlasse ich mich auf meine Erfahrung und den gesunden Menschenverstand – ich habe alle Gurte drübergeknallt, die ich dabei hatte, und zusätzlich steht der ganze Rotz auf Antirutschmatten. Hilft zwar bei den Stangen oben nicht weiter, aber wie soll man so einen Dreck ausreichend sichern???

Ich habe die Faxen für heute gestrichen dicke, und bin froh, wenn ich diesen Mist morgen mittag losgeworden bin!!!

6 Kommentare zu „Einmal Belgien und zurück“

  • Stefan:

    hättest das ehr gewusst das du nur 20 cm auf der rechten seite frei hast, hättest bestimmt die seite noch offen gelassen. wenn da jetzt noch der fahrer nen mega bauch hat, na dann hale luja. aber trotzdem haste mein respekt das du da rum kriechen tust. da bin ich auf einer seite froh das ich nur nen SILOKUTCHER bin. da habe ich nicht so die probleme.

    aber den feierabend haste damit wirklich verdient

    • truckstop24.net:

      Naja, es bleibt mir ja nichts anderes übrig, als dazwischen herumzukriechen und zu sichern. Das ist schließlich mein Job, und es ist auch meine Konsequenz, wenn ich es nicht mache, und dann dafür bezahlen muss.
      JETZT kann ich wenigstens sagen “mehr Gurte hatte ich nicht”, und wenn dann was kommt, kriegt auch die Firma was ab, weil ich nicht ausreichend Ladungssicherungsmittel dabei hatte. ;)
      Und ja, das habe ich der Firma auch schon gesagt – nur so schmale Hemden wie mich dahin schicken, alles über 90 kg hat da keine Chance mehr. :mrgreen:

      • Stefan:

        bei mir in der firma wird den speditionen sogar angeboten ladungssicherungs material käuflich zu erwerben. weil wir auch paletten ware verladen. ist zwar dann bissl umständlich, weil die dzweimal quwer durchs werk fahren müssen, aber so sind die regeln. unter umständen wird auch die verladung verweigert.
        Wen du das dem BAG beamten sagt mit zu wenig gurte, bekommste meiner meinung nach ne passende nicht so glückliche antwort.

        ich habe mit den beamten noch keinen kontakt gehabt. fahre seit 2007 und noch keine BAG kontrolle gehabt. (wobei nicht immer alles sauber ist bei mir)

        • truckstop24.net:

          Immer alles sauber geht auch nicht – irgendwas werden die immer zu meckern haben. ;)
          Auch ich bin ab und an mal nicht mehr ganz so im grünen Bereich unterwegs, aber das sind dann meist Fälle wie dieser hier, wo ich schlicht keine andere Wahl mehr habe – ansonsten sichere ich schon aus Eigenantrieb immer mehr als nur ausreichend, weil ich hänge an meinem kleinen knackigen Hintern, und den Staat subventionieren muss ich auch nicht haben. :mrgreen:
          Und ansonsten, hey, ich fahre mit einem zertifizierten XL herum – wenn der vernünftig beladen wird, brauchst Du meist nur ein Klemmbrett – so eine Rotze wie hier auf den Bildern ist dann natürlich totale Ausnahme.

  • Ralf:

    Die Provinz Limburg ist eigentlich nicht sooo schlimm. Ein freundliches “Goedemorgen. Ik begrijp het Nederlands, maar het is niet te praten” in den Raum geworfen und ab da dann immer nur “Jaja” und freundlich nicken. Das funktioniert ganz gut. Aber fahr mal in Richtung Gent. Der erste spricht nur Flämisch, der nächste nur Französisch und keiner von beiden will dich verstehen geschweige denn in einer anderen Sprache mit dir sprechen.
    Ich habe den ersten Wuppti mit Händen und Füßen und in drei Sprachen verständlich gemacht das ich 3 Sorten Material auf dem Fahrzeug habe und nicht den ganzen Zug wiegen kann. Der grinst mich nur an und sagt mir das ich mit dem Kompletten Zug auf die Waage soll. Der nächste Wuppti stellt fest das ich drei Sorten drauf habe und schickt mich mit jeder Sorte einzeln auf die Waage. Der dritte Wuppti ist heute noch am Rätseln warum weder der erste noch der zweite Wuppti von der dritten Sorte eine Probe gezogen hatte und schickt mich erneut auf die andere Seite des Werkes. Der vierte Wuppti beschwert sich das ich den Anhänger da abgestellt habe, wo es mir der zweite Wuppti gezeigt hat das ich ihn abstellen soll. Der zweite Wuppti bescwert sich weil ich den Anhänger umstelle anstatt zu kippen.

    1,5 Std. Lenkzeit in einem Werk verbraten das kaum größer als ein Sportplatz ist! Und das auch nur deswegen, weil die einen Französisch, die anderen Flämisch sprechen und keiner sich mit den anderen verständigen kann oder will.

    In Zolder geht das alles rappzapp. Parken, Nummer ziehen, warten, rein fahren, fünf mal “Goedemorge” sagen, abladen, raus fahren, fröhlich sein.

    Grundsätzlich sag ich mir aber auch: Ins Ausland nur auf Ketten.

    • truckstop24.net:

      Keine Ahnung, ob es an mir lag, meinem Gefährt, dem Kennzeichen, dem Wetter, oder weiss der Geier was – ich bin jedenfalls froh, dass ich wieder in DE bin.
      Ich weiss schon, warum ich mich in der jetztigen Firma als INNERDEUTSCHER Fahrer beworben habe! Ausland tut echt nicht Not – gibt genügend Leute, die da drauf stehen – sollen die sich mit denen herumärgern, ich brauche das jedenfalls nicht.

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