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10 Kilometer Stau

Die A1 zwischen Münster und Hamburg – meine persönliche Hassautobahn, da sich hier die Baustellen die Klinke geben, und ich bis heute nicht einmal da langfahren konnte, ohne in einem Stau zu stehen.

So auch bei dieser Tour. Bereits mittags im Radio die Meldung “5km Stau auf der A1 wegen einem Pannen-LKW in der Baustelle”.
Als ich auf dem frühen Abend mich dann losmachte, hoffte ich darauf, dass dieser Stau sich aufgelöst hat … wie man sieht, war dem nicht so.

Im Gegenteil, als ich dann im dicksten Berufsverkehr dort aufschlug, waren es bereits 10 km.
Über Funk unzählige erboste “Kollegen”, welche sich darüber ausliessen, dass der bepisste Bock noch immer dort steht, die bekloppten PKW-Fahrer zu dumm sind, sich ordentlich einzufädeln und ständig nur am Springen sind, wie scheisse die Toilette auf dem Rasthof xxx ist, wie teuer die Bockwurscht war, und und und … ich schmiss erstmal die Kaffeemaschine an.

Tatsächlich wurde der rechte Fahrstreifen dann gesperrt, und genauso tatsächlich zeigte sich mal wieder, dass die deutschen PKW-Fahrer zu blöde sind, sich ordnungsgemäß einzufädeln!

Auch stand direkt hinter der Sperre ein LKW, und davor ein Servicefahrzeug.
Nun rätselte ich, warum ein LKW stundenlang in einer Baustelle festhängt, anstatt einfach aus dieser herausgeschleppt zu werden. Was macht es notwendig, in einer Baustelle eine Pannenstelle abzusichern und alles auf eine Spur zu leiten? Achsbruch? Fahrzeugbrand? Unfall? Im Acker festgepflügt? Tod durch plötzliches Sterben?

Naja, ich sah keinen Polizeieinsatzwagen, auch ein Leichenwagen war nicht zu sehen, und ein Schlepper stand auch nicht griffbereit, nur dieses Servicefahrzeug.

Als auch ich dann endlich in Höhe des Fahrzeuges war, konnte man den Pannengrund am Servicefahrzeug angelehnt sehen … eine stinknormale, popelige Reifenpanne!!!

Jetzt kam auch mir die Galle hoch, denn keine 300m weiter wäre die Baustelle zu Ende gewesen, und direkt danach wäre ein Parkplatz gekommen.

Wo zum Geier ist das Problem, in einer Baustelle mit einem Platten noch 300m weiter zu rollen, anstatt stundenlang den gesamten Nord-/Südverkehr zu blockieren, und das wegen einer Reifenpanne? Warum hat man den Ochsen nicht tatsächlich erstmal da raus geschleppt? Scheiss auf den platten Reifen, der ist eh schon kaputt!!!

Ich begründe das mal wieder mit der Tatsache, dass da ein “richtiger” Trucker am Werke war, also einer der Sorte, der mit Führerscheinklasse B bzw Klasse 3 unterwegs war.

Zu sowas fällt mir echt nichts mehr ein, ausser, dass die Karte sofort gestanzt werden müsste, und zwar auf Lebenszeit! Genauso der Servicedienst! Anstatt für eine Sperrung zu sorgen, hätte der den Pisskübel da raus zerren sollen, anstatt dort erstmal ein Picknick zu machen.

Das Hupkonzert aller vorbeifahrenden LKW war übrigens phänomenal … :twisted:

Wer braucht schon flüssigen Verkehr?

Das nebenstehende Bild zeigt eine Baustelle auf der B71 zwischen Salzwedel und Haldensleben.
Wie zu erkennen ist, wird der Parkplatz auf der linken Seite erneuert/vergrößert. Löblich, dass auch auf Bundesstraßen die Kapazitäten vergrößert werden, denn ein LKW kann nicht immer nur auf der Autobahn fahren.

Für diese Baustelle wurde jedoch der linke Fahrstreifen komplett gesperrt, damit Baustellenfahrzeuge problemlos ein- und ausfahren können, soweit sogut.

Jetzt frage ich mich allerdings, warum man dort eine Ampel aufgestellt hat? Warum leitet man den Verkehr in eine Richtung nicht einfach über den Parkplatz auf der rechten Seite um, anstatt beide Richtungen komplett zu stoppen?

Für jeden Mist werden heute die Parkplätze gesperrt! Unkrautpflücken? Zack, Parkplatz gesperrt. 5km vor oder nach einem Parkplatz eine Baustelle? Zack, Parkplatz gesperrt. Aber hier? Nö, soweit hat es dann mit der Logik nicht mehr gereicht, zumal auf dieser Strecke nun wahrlich ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden sind, sodass die Sperrung des Parkplatzes keine dramatischen Auswirkungen gehabt hätte.

 

Ge-/Verblendet

Das Parken auf den Autobahnparkplätzen ist in der letzten Zeit ja ein Krimi für sich.
“Komme ich überhaupt noch auf den Parkplatz drauf? Komme ich auch wieder herunter? Ist da noch irgendwo Platz?” und andere Fragen stellen sich bei jeder einzelnen Anfahrt immer wieder.

Gerade als Nachtfahrer hat man das Problem, dass so ziemlich jede Möglichkeit genutzt werden muss, um seine Lenkzeitunterbrechung von 45 Minuten zu bekommen – da haben es die Tagfahrer wesentlich leichter, da sie auf leere Parkplätze treffen – es gibt halt wesentlich mehr Tagfahrer als Nachtfahrer.

Allerdings haben die Tagfahrer auch das Problem, dass sich nachts, während sie schlafen, andere an ihnen auf den Parkplätzen vorbeiquälen müssen, und nicht selten geht das schief, da der Schlafende nicht ausreichend Platz zum Vorbeifahren gelassen hat. Da lässt man lieber den Arsch des Gespanns halb auf der Strasse hängen, damit vorne ein Wildparker einem nicht die Ruhe rauben kann … teils verständlich, teils aber auch nicht.

Auch ist nachts das Risiko um ein vielfaches größer, dass vom LKW diverse Teile demontiert werden.

So laut Aussage von dem “Kollegen” auch bei diesem. Als er die Gardine aufzog, war er von Osteuropäern umzingelt. Auch fehlte ihm plötzlich das Glas der rechten Rückleuchte des Aufliegers sowie die Abdeckung der Kennzeichenbeleuchtung. Zwar hatte er noch eine Bruchabdeckung aus einem früheren Maleur dabei und diese dann auch erstmal montiert, aber das Rücklicht strahlte dennoch in einem grellen, blendenen Weisston.

Ich fuhr ca. 5 Minuten hinter ihm her, und während der ganzen Zeit rätselte ich, ob mir nun etwas entgegen kommt, oder nicht, da ich die Lichter nicht als Heck eines LKW ausmachen konnte, und das weisse Licht enorm blendete.

Als ich ihn über Funk fragte, ob er nicht mal die Glühbirne entfernen mag, um nicht den folgenden Verkehr zu irritieren und zu blenden, erwiderte er nur, dass er ja dann eine defekte Lichtanlage habe… selten über soviel Blödheit gelacht, denn die defekte Lichtanlage hat er so auch, und zusätzlich noch mit Gefährdung!

Ein unzureichend beleuchteter Trailer ist weitaus häufiger anzutreffen und als solcher auszumachen, als so eine Kombi mit weissem Licht!

Naja, klar ist es ärgerlich, wenn einem Teile geklaut werden, und logischerweise kann man nachts auch nicht so einfach für Ersatz sorgen, aber ich muss dann nicht auch noch meine Umwelt über Gebühr belästigen und irritieren – ICH hätte die Glühbirne jedenfalls entfernt.

Was meint Ihr?

Bilder gefunden

Nachdem mir ja auf dem alten Server fast alle Inhalte flöten gegangen sind, konnte ich soeben noch eine Sicherung finden, welche die Bilder alter Beiträge enthält – diese sind nun auch wieder hochgeschoben, sodass so mancher Artikel auch wieder einen Sinn ergibt. ;)

Und weiter geht´s

Nach längerer Überlegungszeit führe ich das alte truckstop24.net nun weiter.

Ab sofort gibt es hier wieder Themen rund um den LKW.
Bei Fragen, Anregungen, Bildern, Vorschlägen und sonstigem darf gerne das Kontaktformular genutzt werden. ;)

Der Stänkersack wird ebenfalls weiter fortgesetzt – allerdings geht es dort ohne Themen rund um den LKW weiter.

Wenn der Platz nicht reicht

Ich fahre ja nun seit geraumer Zeit wieder einen heissgeliebten Pisspott, also einen Daimler Actros mit kleinem Fahrerhaus, bei welchem Daimler der Meinung ist, dass die Größe für den Fernverkehr vollkommen ausreichend ist.

Dementsprechend hat diese Minimalistischhütte auch Einschränkungen bei den möglichen Staufächern. Wenn man den LKW mit allem ausstattet, was so gefordert ist (2 Feuerlöscher, ADR-Koffer, Arbeitsschutzschuhe, Pannenzubehör), und auch mit dem, was so mancher Auftraggeber fordert (z.B. einen topmodischen und absolut überflüssigen Helm), und dann auch noch die Sicherungsmittel wie Spanngurte und Spannschlösser dazu nimmt, sind spätestens mit dem Bordwerkzeug, den diversen Holzklötzen und dem Wagenheber beide Seitenstaufächer voll bis zur Kante.

Dramatischerweise nimmt man das zuvor aufgeführte Gerödel meistens nur dann in die Hand, wenn man es bei Kontrollen vorweisen soll, und wenn es wirklich mal benötigt werden sollte, klemmt es garantiert an irgendetwas anderem fest – also raus mit dem ganzen Scheiss, aber wohin damit?

Wie auf dem obigen Bild zu sehen ist, habe ich mir eine alte BW-Funkerkiste (auch bekannt unter Dekonterminierungskiste, oder Futterkiste) an den Rahmen geschraubt. Diese ist zum einen um ein vielfaches günstiger als eine mit gleichen Maßen käuflich zu erwerbene Staukiste für LKW, und zum anderen auch wesentlich leichter zu montieren – ich habe sie für schmale 40 EUR in der Bucht geschossen, inkl. Versand versteht sich.
Eine Staubox in der Größe fängt an bei 160 EUR, und nimmt gelegentliche Stöße von aussen meist mit einer abfallenden Klappe hin. Auch ist die Befestigung dieser recht problematisch, da man immer eine zusätzliche Halterung benötigt, denn flache Kanten werden von den meisten Herstellern auf Biegen und Brechen vermieden.

Nunja, all das Gerödel, welches man nur extrem selten anfasst, findet nun aussen Platz, in einer wasserdichten und massiven Stahlkiste, und den Großteil der Staufächer habe ich nun für mich. Man muss sich eben nur zu helfen wissen. ;)

Kollegialität fängt bei jedem selbst an

Die letzte Woche hatte ich ja einen Beifahrer, der mir während der Tour 24h über die Finger schauen konnte.
Beide haben wir unterwegs Situationen erlebt, welche an dem gesunden Menschenverstand des einen oder anderen “Kollegen” zweifeln liess, und nein, es waren NICHT die osteuropäischen “Kollegen”, sondern vielmehr die deutschen.

Stichwort Elefantenrennen. Klar ist es aus gesetzlicher Sicht grenzwertig, mit einem Geschwindigkeitsüberschuss von nur 1 km/h zum Überholen anzusetzen, aber Fakt ist, dass dieser Kollege schneller ist als man selbst, und wenn auch nur einen km/h. Ein km/h bedeutet aber auch, dass er in einer 10h-Lenkzeit in gleicher Zeit 10 Kilometer weiter kommt, oder anders ausgedrückt ca 8 Minuten an Zeit einspart. Das klingt erstmal etwas lächerlich, aber wer jemals in der Systemlogistik unterwegs war weiss, wie wertvoll 8 Minuten sein können, dass 8 Minuten über alles entscheiden können.Aussagen wie “wenn er überholen will, sollte er wie gesetzlich gefordert 10 km/h schneller sein”, zeugen dabei lediglich von der geistigen Unfähigkeit zum Teamwork.

Bei uns Brückenfahrern bedeuten 8 Minuten u.a., dass man komplett Abbrücken kann, um dann entspannt in die Pause gehen zu können, denn das Auf- und Abbrücken von Wechselbrücken ist nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Lenkzeit, da der LKW dabei ständig bewegt wird. Es gibt keine Ausnahme, dass diese Rangiertätigkeiten nur der Arbeitszeit zugerechnet werden dürfen! Je nach Hofbedingung und Frequentierung dessen kann so ein komplettes Umbrücken (2 Brücken abstellen, 2 Brücken aufnehmen) mal bis zu einer Stunde dauern, und bis heute raffen weder die Auftraggeber, die Kunden, die Disponenten, noch die sonstig Beteiligten, dass man durch das Absetzen und Aufnehmen von Brücken nach einer 10h-Wegdistanz seine Lenkzeit überzieht, und selbstverständlich ist man auch als Fahrer bemüht, eine komplette Tour nicht wegen solchen Kinkerlitzchen platzen zu lassen.

Aber zurück zum Elefantenrennen. Wenn ich als Überholter doch schon mitbekomme, dass der mich Überholende (wenn auch nur maginal) schneller ist als ich, bricht es mir keinen Zacken aus der Krone, mal für 10 Sekunden auf 80 km/h zu verlangsamen und dem Kollegen das Überholen zu legalisieren und zu erleichtern. Im übrigen ist das bewusste Verhindern eines Überholvorganges strafbar, das nur mal so als Anmerkung am Rande, und selbst in den Fragebögen zum Führerschein ist diese Thematik immer wesentlicher Bestandteil, das Ermöglichen von Überholvorgängen von langsameren Fahrzeugen. ;) Das gilt übrigens für ALLE Verkehrsteilnehmer!

Vorteil des Verlangsamens ist unter anderem auch, dass man als Überholter wesentlich weniger Stress hat, denn der Überholende ist ja deutlich schneller an einem vorbei.
Weiterer positiver Punkt wäre, dass auch die PKW dadurch deutlich weniger Stress hätten, und die Akzeptanz dieser wachsen würde, dass auch LKW überholen können. ;)

Diese Denke scheint jedoch bei dem Großteil der deutschen “Kollegen” zu hoch zu sein, denn in der Realität wird um jeden Zentimeter gekämpft, egal wie sinnlos das ganze auch gerade ist.

Auch ist es bei verdammt vielen “Kollegen” Sitte, am Anfang eines LKW-Überholverbots die eigene Geschwindigkeit um 5 bis 10 km/h zu reduzieren – was soll der Scheiss??? Weit und breit kein Hindernis voraus, keine Gefahrenstelle, oder sonstige Gründe, welche sowas rechtfertigen würden – dafür aber viele säuerlich reagierende LKW dahinter! Geht Euch dabei einer ab, wenn ihr andere bewusst sinnlos behindert?

Auch ich hatte diese Situation jetzt am Freitag. Die ganze Zeit gondelt dieser Penner mit 89 km/h daher, und ich “mit echten 90 km/h” (Insider) stetig aufholend. Dann fing das LKW-Überholverbot an, also schön dahinter bleiben. Der Kollege reduzierte plötzlich ohne Grund auf 80 km/h.
Ich habe absolut keine Ahnung, was eine solche Possenreiterei soll.
Es kam das Ende des LKW-Überholverbotes in Sicht, also Blinker an und raus. Was dieser “Kollege” in diesem Moment machte, dürfte jedem klar sein … er beschleunigte auf 89 km/h. Ich nun daneben. Anstatt zügig mit 10 km/h mehr auf dem Tacho dran vorbei zu zuppeln, liess mich dieses Vollblutarschloch links verhungern. Dieses Verhalten ist höchst asozial! Die 5 Sekunden hätte er ruhig noch warten können! Selbst auf dem folgenden Gefälle, auf welchem ich durch schnelleres “Rollenlassen” schneller hätte vorbeiziehen können, musste er weiterstänkern – er nahm den Gang raus und liess sich ebenfalls rollen.
Irgendwann war ich dann doch vorbei, und um ihm zu zeigen, wie toll ich diese Situation fand, liess ich mich auf 80 km/h abfallen.
Er roch wohl den Braten und blieb brav hinter mir. :D Hätte er zum Überholen angesetzt, hätte ich ihn elendig links verrecken lassen – scheissegal, wie lang die Schlange hinter ihm geworden wäre, und an der im weiteren Verlauf kommenden Polizeiwache wäre ich volles Pfund auf die Nebelhörner gestiegen! :evil:

Solche “Kollegen” kotzen mich an! Mit sich und ihrer Umwelt unzufrieden sein, und den Frust lassen sie dann an Kollegen aus – sowas nannte man zu meiner Zeit Kameradenschweine, und solche wurden für jeden individuell verständlich gemaßregelt.

Auch wenn ich mit meinem Handeln, nämlich das Gaswegnehmen wenn ich überholt werde, unter den Kollegen belächelt werde, behalte ich dies auch zukünftig bei.
Ich habe noch Hoffnung, dass der eine oder andere “Kollege” diesem nachzieht, denn nur so ziehen wir alle an einem Strang, anstatt ständig gegeneinander zu wirken.

Toten Transport

Ich hoffe mal, dass da der Name nicht Programm ist. :mrgreen:

2.590 Kilometer mit Beifahrer

Montag, 24.10.2011 ca 15:00 Uhr
Es klingelt an der Haustür, der da steht vor der Tür und bittet um Einlass. :D
Er hat eine Strecke von über 400km hinter sich, um in seinem Urlaub mal eine Woche das Leben eines Brückenzugfahrers mitzuerleben, und steht bepackt wie ein Muli parat.
Sein Gerödel wird erstmal nur in den LKW geschmissen, denn Einräumen und Verstauen kann man später noch immer.
Sein Transportgerät ist technisch derzeit nicht in bester Verfassung – somit muss dieses anschließend erstmal in der von mir genutzten Tiefgarage “versteckt” werden. :razz:
Ich mit meinem Turbotrecker vorneweg, er hinterher. In der Tiefgarage angekommen mache ich einen folgeschweren Fehler: ich lasse meinen Schlüssel im Zündschloss stecken und schmeisse die Fahrertür hinter mir zu … die Tür verriegelte sich augenblicklich selbsttätig. Dumm nur, dass man eine Zentralverriegelung hat, und auch nur einen Schlüssel.
Also stand als nächstes erstmal “Einbruch ins eigene Auto auf der Tagesordnung”. Da ich diese blöde Zentralverriegelung ja bereits in den Fingern hielt, wusste ich, dass ich ohne Gewalt keine Chance habe, ins Autoinnere zu kommen. Da ich noch die Preise für Autoglas in Erinnerung hatte, entschied ich mich für die Variante Türschlossknacken, um an die Mechanik zum Entriegeln zu kommen. Das Türschloss überlebte diese Aktion leider nicht – also ist fortan die Beifahrertür die Tür, über welche ich ins Auto gelange, denn auch der Türgriff wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen.
Zurück nach Hause. Kurze Tourbesprechung … es geht in die Region, in welcher er wohnt. Nein, noch besser, es geht sogar in den Ort, in welchem er wohnt – somit hätte er sich die Fahrt zu mir sparen können … er war begeistert. :lol:
21 Uhr, die Tour beginnt.

Dienstag, 25.10.2011
Nach mehreren Lade- und Entladestellen erreichen wir seinen Wohnort und die Ladestelle, welche sich als recht interessant herausstellte.
Lade ich für gewöhnlich an Toren und Torrampen, stand dort lediglich ein Loch in der Wand und eine daran montierte klappbare Laderampe zur Verfügung, der Platz davor zum Rangieren war minimalistisch. Die Firma lag an einem Hangstück, an welchem man unten bereits grübelte, ob man wirklich bis zum Ende fahren soll.
Die beiden Sattelzüge vor mir gingen auch recht zügig, und ein Fahrer meinte nur “joar, da kommt im weiteren Verlauf eine Wendemöglichkeit für LKW” – ich war beruhigt, mein Beifahrer weniger, denn dieser stiefelte den Waldweg im weiteren Verlauf ab, und als er wiederkam, schmiss er mir ein “na dann gleich viel Spaß” an den Kopf, gepaart mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck.
Als die Verladung dann schließlich beendet war, sah ich die sogenannte “LKW-Wendestelle”. Es handelte sich um eine hundsgewöhnliche und schmale Straße, welche links eine klitzekleine Ausbuchtung spendiert bekommen hat, welche mit Felsbruchsteinen dekoriert wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine Gaststätte, welche direkt am Eingang einen überdimensional großen Bruchstein abgelegt hatte, vermutlich, weil zu viele LKW den Eingansbereich dort beschädigt hatten. Zwischen der großzügigen Einbuchtung und dem Eingang lagen ca 10 Meter Platz – DAS WAR DER LKW-WENDEPLATZ! Ich hatte mich zuvor bereits gewundert, warum die beiden Sattelzüge jeweils so lange gebraucht haben, um aus dem Waldstück wieder herauszukommen – jetzt wusste ich es!
Das Wendemanöver war zwar nicht ganz so extrem wie dieses hier, aber ansonsten identisch – mein Beifahrer fand den Winkel des Anhängers zum LKW jedenfalls nicht mehr wirklich lustig, zumal ich voll beladen war und der Anhänger gefährlich auf der Vorderachse schwankte. :D
Leider war ich so im Eifer und er von dem Manöver so fasziniert, dass wir beide vergassen, davon Bilder zu machen. :roll:

Mittwoch, 26.10.2011
Fahrt nach Holland zu den Käselutschern, irgendwo zwischen Amsterdam und Antwerpen.
Die Fahrt dahin mitten in der Nacht entpuppte sich als wahre Qual – denn die Autobahnen dort sind so gut, dass es schon ermüdend ist!
Beim Empfänger angekommen dann die Einsicht, dass die Holländer Gliederzüge kategorisch ablehnen, und auch die Höfe entweder auf Moppelkarren (7,5 bis 12 Tonnen), oder aber auf Sattelzüge ausgelegt sind, und ein Gliederzug dort echt am Kurbeln ist. Leider durfte ich dort auch noch komplett umbrücken, was sich mit dem Anhänger als echte Herausforderung darstellte – aber ich liebe ja Herausforderungen.
Ohne Verluste und Schäden waren wir knapp eine Stunde später dann auch schon wieder auf dem Rückweg Richtung deutschsprachiges Land, das Land mit den total kaputten Autobahnen. Warum kostet so ein LKW eigentlich um die 1.000,- EUR Maut im Monat (!!!), wenn davon nichts im Straßenbau ankommt???

Donnerstag, 27.10.2011
Pullertour deluxe, aber leider mitten nach Hamburg rein. Da bei der Abladung noch nicht feststand, wie es anschließend weitergeht, mussten wir leider in HH stehenbleiben – nur gut, dass man sich so manche Stich- und Querstrassen pro Stadt merkt, in welchen man mit einem LKW parken kann; die Pause wurde recht zügig eingeläutet.

Freitag, 28.10.2011
Wieder eine Pullertour. Hamburg – Rendsburg – Hamburg – Wilhelmshaven. Schon im Vorfeld erwähnte ich zu meinem Beifahrer, dass er sich bei der letzten Tour nicht wundern solle, denn es werden Leer-Corletten transportiert. Man kann diese zwar gegen das Rollen sichern, indem man die Bremse einlegt, muss man aber nicht, dann scheppert es eben recht lustig in den Metallbüchsen. :D
Auf der Fahrt nach Wilhelmshaven habe ich dann auch einige Male demonstriert, wie Fussgänger auf ein plötzliches Scheppern auf einem LKW reagieren. :D :D :D
In WHV angekommen, ging es dann auch recht fix. Entladung, und dann ab in die Ecke zum Pennen. Mein Beifahrer jedoch war da anderer Ansicht – er wollte sich nochmal die Beine vertreten und tigerte unrasiert und dunkel bekleidet durch das Gewerbegebiet – die zivile Polizeistreife fand das wohl höchst verdächtig und griff ihn erstmal auf. Am LKW durfte er sich dann erstmal ausweisen, nachdem die Polizei mich und den LKW ausgiebig gemustert haben.

Samstag, 29.10.2011
Wilhelmshaven – Herford – Berlin – Strausberg. Aus meiner Sicht bis zum letzten Kunden nichts weltbewegendes, ausser diese verkackte A2, welche fast auf kompletter Länge mit dieser “automatischen Regelanzeige” ausgerüstet ist, und dementsprechend mitten in der Nacht bei wenig bis kaum Verkehr ein LKW-Überholverbot anzeigte.
Im Normalfall habe ich mit einem LKW-Überholverbot ja keine Berührungsängste (dank der automatischen Abstands- und Geschwindigkeitsregelung im LKW), aber wenn vor mir ohne Grund zwischen 60 und 90 wirklich jede Geschwindigkeit gefahren wird, und deutsche Arschlochkollegen sich auch noch ein Späßchen daraus machen, andere Kollegen absichtlich auszubremsen, geht mir echt die Hutschnur hoch! Bei solchen Vögeln brauchen wir uns echt nicht wundern, wenn der Ruf immer mieser wird!
Nunja, auf dem Berliner Ring wurde es dann erfahrungsgemäß wieder etwas hektischer (da ist eben immer etwas los), und nach einem kurzen Tankstop in Ludwigsfelde ging es dann auch rein nach Berlin-Tempelhof, genauer gesagt in die General-Pape-Straße auf ein ehemaliges Kasernengelände. Mein Beifahrer dürfte meine dortige Entladestelle in bester Erinnerung behalten, denn die Platzverhältnisse dort waren sowas von minimalistisch, dass selbst eine Mücke dort Platzangst bekommen hätte! Ein Sattelzug oder ein Tandemzug haben dort schlichtweg keine Chance, und selbst Gliederzugfahrer haben sich dort schon oft genug festgerammelt, da man einfach keinen Platz zum Korrigieren hat, da MUSS jeder einzelne Zug sitzen, sonst rückt der Bergekran an. ;) Auch hiervon habe ich leider keine Bilder gemacht.
Im Anschluss folgte “nur noch” die tiefenentspannte Fahrt gens Heimat und die Demonstration meinerseits, wie man in Berlin LKW fahren MUSS, wenn man stressfrei zuhause ankommen will – das war ihm dann wohl doch etwas zu stressig. :D Wenn ich mich recht entsinne, fielen Worte wie “fliegen”, und dabei war ich noch garnicht im Begrenzer. :mrgreen:

Ich bin ein klarer Ablehner von 2-Mann-Besatzungen, erst Recht in so einem kleinen Daimler-Pisspott, aber erstaunlicherweise klappte das alles recht gut. Jetzt aber freue ich mich auf mein langes Wochenende (da hier ja Montag die ungläubigen Haiden einen religiösen Feiertag feiern), und auf die zukünftige Bewegungsfreiheit in meinem Pisspott, denn das ganze Gerödel von 2 Mann in so einem kleinen LKW schränkt dann doch stark ein.

Tom, es hat Spaß gemacht – ich hoffe, Dir auch. ;) Ich hoffe Du kannst nun etwas nachvollziehen, warum genau das meine Welt ist, und nicht so ein blöder Sattel oder ein Tandem.
Ich weiss, das ist nicht Deine Welt, aber hoffentlich hilft Dir die eine Woche, Deinen Job wieder etwas mehr zu mögen. ;)

Ich bin sie sowas von leid …

… diese ständigen, schweinedoofen und strunzenegoistischen Diskussionen darüber, wo ich den LKW parke, das glaubt mir keiner!

Da Strausberg ja nun nicht einen einzigen erlaubten Parkplatz für LKW hat, stelle ich ihn in eine für KFZ freigegebene Fläche, welche mit den Schildern “P” gekennzeichnet (Anfang und Ende) sind, ausserhalb eines reinen Wohngebietes. Auch ist keine Kuranstalt oder eine Klinik in der Nähe, sodass ich laut §12 3a StVO den LKW vollkommen korrekt und rechtskonform dort stehen lassen darf. PUNKT!

Heute, ich war nochmal kurz an dem LKW, um Vorbereitungen für die kommende Tour zu treffen, quatsche mich so ein Stadthausblondchen an:
“Hören Sie mal, parken Sie hier öfters?”

Ich: “Definieren Sie öfters.”
Sie: “Na, regelmäßig.”
Ich: “Ja, könnte man so sehen. Regelmäßig jedes Wochenende. Warum?”
Sie: “Na, weil hier hat jeder seinen Platz, und Sie stehen gerade auf meinem.”
Ich: “Sorry, aber ich sehe hier nirgends einen reservierten, bezahlten oder sonstig für mich verbotenen Parkplatz! Hier darf jeder stehen, auch ich mit dem LKW!”
Sie: “Ohhhhh, ich musste heute früh bis da oben hin fahren und dann wieder zurücklaufen (sie zeigte auf die nächste Parktasche, Luftlinie vielleicht 150m!!!) – können Sie den LKW nicht woanders abstellen?”
Ich: “Theoretisch schon, praktisch nö. Irgendwo MUSS ich den Bock hinstellen, denn zusammenfalten und in die Hosentasche stecken geht noch nicht!”
Sie: “Na, denken Sie doch mal an uns Autofahrer! Sie blockieren gleich 4 PKW-Stellplätze!”
Ich: “Wenn ich das nicht jeden Tag immer wieder auf´s neue tun würde, hätte mein Armaturenbrett täglich 20 Kerben mehr! Ausserdem, denkt Ihr Möchtegernhelden der Rennpiste auch mal an uns LKW-Fahrer? Na klar, immer dann, wenn Ihr für die eigene Bequemlichkeit und Unfähigkeit einen Sündenbock sucht, gelle! Und wenn schon, dann sind es 5 Stellplätze, denn da Ihr Helden dazu neigt, uns ständig zuzuparken, muss ich ja den Anhänger abkoppeln und zwischen Anhänger und Motorwagen 2m Luft lassen, damit ich in der Nacht den Platz zum Rangieren habe!”

Da mir dieses Gespräch zu diesem Zeitpunkt dann schon gewaltig auf den Sack ging, beendete ich es mit dem Fortführen meiner Tätigkeit am LKW, und ignorierte ihr dummes Geblubber hinter mir.

Dann bin ich ja mal gespannt, ob da demnächst ein neues Zusatzschild auftaucht oder nicht – den Kappesköppen hier traue ich alles zu!